Wenn das eigene Geschäft Pleite geht. Schuldnerberatung für Selbständige

By | 16. Juli 2013
schuldnerberatung

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In der Regel kennt der Selbständige sein Unternehmen recht gut. Er hat es als Existenzgründer aufgebaut und seitdem die wichtigen Angelegenheiten allesamt selbst erledigt.

Dazu gehört neben der Personalführung

  • auch die Buchhaltung mit Eingangs- sowie Ausgangsrechnungen
  • Onlinebanking
  • Kontoüberwachung

Insofern werden schon frühzeitig erste Unebenheiten oder Probleme erkannt, und es wird alles unternommen, um gegenzusteuern. Bei den Einnahmen wird vermehrt auf einen pünktlichen Zahlungseingang geachtet, während bei den Ausgaben alle Zahlungsziele bis zum letzten Tag ausgenutzt werden. Wenn die finanziellen Probleme trotz aller Bemühungen nicht in den Griff zu bekommen sind, muss sich der Selbständige auch mit dem Gedanken einer Insolvenz vertraut machen. Das ist bitter und trotzdem unausweichlich, um den Straftatbestand einer Insolvenzverschleppung zu vermeiden. In diesem Stadium gilt der Grundsatz: Ein Ende mit Schrecken ist besser als ein Schrecken ohne Ende!

Professionelle Schuldnerberatung durch Insolvenzanwalt

Eine Schuldnerberatung wird heutzutage von vielen Seiten angeboten. Für den Selbständigen sieht das Insolvenzrecht die Regelinsolvenz vor, im Gegensatz zur Verbraucherinsolvenz für Privatpersonen. Da bei der Insolvenz eines Selbständigen auch rechtliche Fragen auftauchen und entschieden werden müssen, ist es empfehlenswert, von Beginn an einen Insolvenzanwalt aufzusuchen. Der Betroffene kann sicher sein, von einem versierten Fachmann unterstützt und beraten zu werden. Wenngleich die Regelinsolvenz kein außergerichtliches Schuldenbereinigungsverfahren vorsieht, werden zu Beginn einer Schuldnerberatung alle offenen Forderungen und Verbindlichkeiten erfasst und bewertet. Als erstes wird das Forderungsmanagement aktualisiert, um Forderungsausfälle auf ein Minimum zu reduzieren, und offene Forderungen möglichst zeitnah gutgeschrieben zu bekommen.

Je nach

  • Art
  • Umfang
  • Größe

der Forderungen kann überlegt werden, das gesamte Forderungsmanagement einer externen Firma, beispielsweise einem Inkassounternehmen zu übertragen. Die offenen Forderungen werden verkauft, und abzüglich der Provision für den Forderungskäufer werden sie zum vereinbarten Termin realisiert, also dem Konto des Selbständigen gutgeschrieben. Diese und weitere Fragen müssen im Laufe einer Schuldnerberatung auch juristisch durchdacht und geprüft werden.

Parallelen zur Verbraucherinsolvenz

Sparschwein

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Ein erfahrener Schuldnerberater erkennt anhand der finanziellen Situation recht schnell, ob die Aussichten auf Fortführung der Selbständigkeit trotz Insolvenz gut, weniger gut oder schlecht sind. Diese Bewertung und die Beantwortung der Frage, ob der insolvente Selbständige die Kosten des Insolvenzverfahrens bezahlen kann, beeinflussen ganz maßgeblich das weitere Verfahren. Wenn er dazu nicht in der Lage ist, kann, wie bei der Verbraucherinsolvenz auch, ein Antrag auf Stundung der Verfahrenskosten gestellt werden. Bei einer Antragsgenehmigung wird das Regelinsolvenzverfahren auch dann eröffnet, wenn der Selbständige überhaupt kein Einkommen oder Vermögen hat.

Der angestrebten Restschuldbefreiung im Anschluss an die mehrjährige Wohlverhaltensperiode steht dann so gut wie nichts mehr im Wege. Bis dahin vergehen sechs Jahre, vom Tage des Antragseingangs beim Insolvenzgericht an gerechnet. Besonders zu Beginn der Schuldnerberatung, also in der Anfangsphase der Regelinsolvenz ist ein enges Miteinander zwischen Schuldnerberater und Mandant erforderlich.

Lückenlose Aufklärung

Das Insolvenzgericht erwartet eine wahrheitsgemäßeund lückenlose Aufstellung der Verbindlichkeiten. Der Insolvenzanwalt als Schuldnerberater ist seinerseits bestrebt, einen inhaltlich richtigen und vollständigen Insolvenzantrag vorzulegen. Für den Betroffenen beginnt gleichzeitig eine ihm völlig neue und ungewohnte Situation. Außer dem pfändungsfreien Einkommen, das für eine Person reichlich tausend Euro beträgt, steht ihm in den kommenden sechs Jahren kein weiteres Einkommen zur Verfügung. Damit muss er auskommen. Im Gegenzuge ist er anschließend schuldenfrei und kann ab dann auch beruflich ohne Einschränkungen tätig werden.

Gerade für Selbständige ist in dieser Situation ein professioneller Schuldnerberater hilfreich bis notwendig. Nach außen hin macht es einen positiven und vertrauensbildenden Eindruck, wenn Korrespondenz und Kommunikation von einem Insolvenzanwalt geführt werden. Der spricht buchstäblich dieselbe Sprache wie das Insolvenzgericht und kennt den genauen Verfahrensverlauf. Die gestundeten Verfahrenskosten sollte der Insolvente die Summe im Laufe der nächsten Jahre ansparen.

Wenn er dann diese letzte offene Forderung beglichen hat, startet er nach der Restschuldbefreiung schuldenfrei in den neuen Lebens- und Berufsabschnitt.